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Die Hoffnung lebt weiter

[15. Januar 2017, 13:57 | Kein Kommentar] by

Henning Lambertz
Foto : dpa

Von Daniel Hübner

Gibt es Hoffnung für den Stützpunkt Halle/Magdeburg? Die Entscheidung fällt am 31. Januar. Die Volksstimme beanwortet wichtige Fragen.

Welchen Status haben die Standorte Magdeburg und Halle bisher?

Halle ist noch im Jahr 2017 ein vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) anerkannter Bundesstützpunkt. Magdeburg ist ein Landesleistungsstützpunkt, der vor mehr als einem Jahr einen Antrag gestellt hatte, auch als Bundesnachwuchsstützpunkt anerkannt zu werden. Der Antrag liegt seither zur Entscheidung beim DOSB vor.

Warum ordnet der DSV seine Stützpunkte neu?

Das hat sowohl finanzielle als auch sportliche Gründe: Die finanzielle Förderung des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) von bislang 1,2 Millionen Euro jährlich durch das Bundes-Innenministerium soll in den Jahren 2017 und 2018 um sieben, in den Jahren 2019 und 2020 um 25 Prozent reduziert werden. Zudem hat Chefbundestrainer Henning Lambertz in seinem Maßnahmenpaket als Folge des Rio-Debakels eine Verschlankung der Bundesstützpunktstruktur ab 2018 auf fünf Standorte für Becken- und einen für Freiwasser vorgesehen. Ziel: Zentralisierung des Trainings nach Streckenlänge.

Welche Stützpunkte sind sicher?

Derzeit stehen fünf Stützpunkte (Becken) und ein Freiwasser-Zentrum für den kompletten Olympiazyklus fest: Berlin, Heidelberg, Hamburg, seit Donnerstag dieser Woche Potsdam, Essen sowie Würzburg. Während in Essen und Würzburg mit Nicole Endruschat und Stefan Lurz an der Spitze gearbeitet wird, werden für alle anderen Standorte die Leiter noch gesucht. „Die Vorstellungsgespräche werden zeitnah erfolgen“, teilte DSV-Präsidentin Gabi Dörries der Volksstimme mit.

Was bedeutet das für die Magdeburger Spitzenschwimmer Franziska Hentke, Rob Muffels & Co.?

Nach dem derzeitigen Lambertz-Plan müssten sie entsprechend ihrer Disziplin an einen anderen Standort wechseln. Im konkreten Fall der Freiwasser-Athleten würden also Finnia Wunram und Rob Muffels nach Würzburg gehen.

Gibt es noch Hoffnung für den geplanten Stützpunkt Halle/Magdeburg?

Ja, die gibt es. Hoffnung hat selbst DSV-Präsidentin Gabi Dörries, die mit Lambertz und den Vertretern des Landessportbundes am 31. Januar zum klärenden Gespräch zusammenkommt. „In Sachsen-Anhalt könnte es mit einer ganz neuen Art von Stützpunkt weitergehen“, erklärte Dörries. Die Aufgaben sollen nach dem von Frank Embacher (Halle) und Bernd Berkhahn (Magdeburg) erstellten und erstmals am 16. Dezember in Hannover vorgestellten Konzept verteilt werden: Sprinter in Halle, Mittel- und Langstrecker in Magdeburg. „Mir persönlich liegt die Umsetzung sehr am Herzen“, sagte Dörries. Dazu müsse der DOSB allerdings auf die Reduzierung der Förderung von sieben Prozent verzichten. Und dazu muss Lambertz, der am Freitag nicht erreichbar war, das Konzept abnicken.

Was sagt der LSB dazu?

Er reagiert heftig – vor allem weil nach DOSB-Genehmigung des fünften Stützpunktes Potsdam plötzlich Halle/Magdeburg infrage gestellt wird. In einer Mitteilung erklärte Präsident Andreas Silbersack: „Das werden wir so nicht hinnehmen, zumal wir unser Leistungssportkonzept auf Landesebene klar auf die Zusagen des DOSB abgestimmt haben.“ Bereits Ende Oktober 2016 hatte der DOSB eine Liste zur Reduzierung der Bundesstützpunkte zur Verfügung gestellt. Halle/Magdeburg ist darin als Standort fest vorgesehen.

Was wird aus Frank Embacher und Thomas Ackenhausen?

Der Vertrag des DSV mit Halles Bundesstützpunkttrainer Embacher ist zum Jahresende ausgelaufen, dem Magdeburger Ackenhausen wurde nach 22 Dienstjahren gekündigt. Aufhorchen ließ Lambertz mit einem Interview mit dem Fachportal „swimvortex.com“, in dem er erklärte, weiter auf das Fachwissen des 52-jährigen Embacher zu setzen: „Wenn nicht in Halle, dann in Berlin“, meinte Lambertz. So soll Embacher am dortigen Stützpunkt als Nachfolger von Gerd Eßer eine Stelle angeboten worden sein, die der Coach abgelehnt haben soll. Stattdessen verklagen Embacher und Ackenhausen den DSV. Womöglich gehört dies zu den Problemfeldern, die Lambertz in Sachsen-Anhalt sieht und die am 31. Januar geklärt werden sollen. Sollte Halle/Magdeburg tatsächlich als sechster Stützpunkt ab 2018 die Zusage erhalten, so erklärte LSB-Chef Silbersack, „zählen wir auch auf die beiden vom Bund finanzierten Trainerstellen von Embacher und Ackenhausen“. Was die Leitung des Stützpunktes betrifft, würde der DSV die Stelle neu ausschreiben, bestätigte Dörries.

Quelle : volksstimme.de