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Jana Barrasch : Einfach probiert

[27. Juli 2015, 17:48 | Kein Kommentar] by

Jana Barrasch
Foto : Popova

Sie konnte ja nichts dafür, der Trainer hatte es für sie entschieden. Es hätte auch ein anderer Ort auf diesem Planeten sein können für ihren ersten Freiwasser-Wettkampf über die zehn Kilometer, zum Beispiel Mexiko, ja Spanien, oder Portugal. Irgendwo dort, wo es sich vorzüglich mit den Wellen des warmen Meeres schwimmen lässt. Aber nein, es wurde der Bodensee. In Bayern. Bei den deutschen Meisterschaften. Da war am letzten Donnerstag im Juni nun gar nichts warm. “Es war ganz schön kalt”, sagt Jana Barrasch.

Das Freiwasser, unendliche Weiten: Es ist leicht, sich diesen Sport romantisch zu reden, der doch so viel harte Arbeit bedeutet. Vor zwei Jahren hatte Coach Bernd Berkhahn seine Athletin vom SC Magdeburg gefragt, ob sie bereit wäre für den Versuch auf offenem Wasser. “Und ich habe gedacht, ich probiere das mal”, erinnert sich die 16-Jährige. Sie ist erst die kurzen Strecken geschwommen, die 2,5 und die fünf Kilometer. Über letztere gewann sie nun am Bodensee die Bronzemedaille bei den Juniorinnen. Und Neunte wurde sie über den olympischen Zehner. “Mein Ziel war es einfach durchzukommen.” Der Respekt vor dieser Strecke war sehr groß. “Und er ist es immer noch”, gesteht Jana Barrasch.

18 Grad Celsius Wassertemperatur wurden an ihrem Premieren-Tag auf der langen Dis-tanz gemessen. Jana Barrasch lag sogleich gut im Rennen. Sie schwamm sogar in der Spitzengruppe mit, bis “nach fünf Kilometern die Muskeln schon kalt waren”, erinnert sich die Magdeburger Sportgymnasiastin, die bereits zur dritten Klasse vom Heimatverein Hellas Burg zum SCM gewechselt war. Sie musste die Konkurrentinnen erst vorbei und dann ziehen lassen. Das Lehrgeld der Debütantin gewissermaßen. Und trotzdem kann sie über ihre bisherigen Auftritte im Freiwasser resümieren: “Ich war dabei erfolgreicher als im Becken.”

Womit sich nun die Frage stellt, welche Schwimm-Karriere Jana Barrasch einschlagen wird. “Eine Spezialisierung nehmen wir bei Jana noch nicht vor, sowohl über die 200 Meter Rücken im Becken als auch im Freiwasser läuft es für sie gut”, erklärt Berkhahn. “Sie kommt außerdem zum neuen Schuljahr in die Streckerklasse (Abitur in der 13./d. Red.), dann hat sie deutlich mehr Möglichkeiten. Dass sie bereits sehr fokussiert trainiert hat, hat sich auch in ihren Leistungen widergespiegelt”, lobt der Trainer. Im Becken war in diesem Jahr der Gewinn der Norddeutschen Meisterschaften über die 4×200 Meter-Freistilstaffel mit Johanna Friedrich, Franziska Hentke und Lilly Winkel ihr größter Erfolg. Die Goldmedaille war dabei nur das begehrte Sahnehäubchen: “Ich fand es schon schön, dass ich in der Staffel dabei sein durfte”, betont sie.

200 Meter Rücken also, auch 400 und 800 Meter Freistil: Das sind die Strecken, die sie in Zukunft pflegen möchte. “Und wir werden sehen, ob ich noch einen Sprung machen kann.” Wenn man mit Jana Barrasch spricht, spricht da ein intelligentes Mädchen – sehr klar in den Gedanken, sehr realistisch in der Selbstanalyse. Sie sagt: “Generell hat jeder das Ziel, einmal bei Olympia zu starten, aber das ist natürlich sehr hochgesteckt.”

Für den Traum lohnt es sich trotzdem zu arbeiten, und Jana Barrasch ist Sportlerin durch und durch. Sie mag nicht nur das Wasser, sie mag auch den Schnee: Ski alpin in den Bergen. Im nächsten Winterurlaub “möchte ich es mal auf dem Snowboard probieren”.

Probieren hat ihr zuletzt nicht geschadet, egal wie kalt sich der Bodensee nun angefühlt hat. Vielleicht hat sie in den Ferien ja heimlich weitertrainiert. Ihren Urlaub verbringt sie jedenfalls gerade in Portugal – an einem Ort also, wo man mit den Wellen des warmen Meeres schwimmen kann.

von Daniel Hübner
Quelle : volksstimme.de